Die Aufgaben des Blutes
Das Blut hat vielfältige Aufgaben. Mit Hilfe der roten Blutzellen (Erythrozyten) transportiert es den für alle Stoffwechselprozesse lebensnotwendigen Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen. Das durch die Zellatmung (Fachbegriff für die Gewinnung von Energie im Körper) frei werdende Kohlendioxid führt es wieder zurück in die Lunge, um es dort abzugeben. Das Blut befördert ebenfalls Nährstoffe, Botenstoffe (Hormone) und chemische Stoffe zu den Zellen und transportiert Abfallstoffe aus den Zellen zu den Ausscheidungsorganen des Körpers. Auch wenn es um den Schutz des Körpers vor Infektionen geht, übernimmt das Blut wichtige Aufgaben.
Bestandteile des Blutes
Das Blut setzt sich aus vielen verschiedenen Bestandteilen zusammen und macht ca. ein Zwölftel des Körpergewichts eines Erwachsenen aus. Blutplasma (ca. 50 Prozent des Blutes) besteht zu 90 Prozent aus Wasser. In ihm sind viele Substanzen gelöst wie Kohlenhydrate, Fette, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Diese sind wichtig für den Stoffwechsel des Körpers und werden über das Blut zu den unterschiedlichen Organsystemen transportiert. Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure sind Beispiele für Abfallprodukte. Sie werden im Blutplasma zu den Nieren geleitet.
Im Blutplasma sind auch eine Vielzahl von Eiweißen gelöst, die für folgende Aufgaben wichtig sind: Für die
- Nährfunktion
- Transportfunktion
- Trägerfunktion
- Regulation des Druckes der Körperflüssigkeiten
- Pufferfunktion für Säuren und Basen (pH-Wert)
- Abwehr von Krankheiten
- Schutz vor Blutverlust
Die anderen 50 Prozent des Blutes bestehen aus so genannten Blutzellen: 45 Prozent aus roten Blutzellen (Erythrozyten), drei Prozent aus weißen Blutzellen (Leukozyten) und zwei Prozent aus Blutplättchen (Thrombozyten).
Die verschiedenen Typen von Blutzellen
Die verschiedenen Typen von Blutzellen werden alle im schwammartigen Gewebe im Innern der großen Körperknochen, dem Knochenmark gebildet. Als die drei Haupttypen dieser Zellen gelten die Erythrozyten, die Leukozyten und die Thrombozyten.
Erythrozyten
Die roten Blutzellen werden auch Erythrozyten genannt. Sie enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der in der Lage ist, Sauerstoff zu binden und diesen dann in die unterschiedlichen Gewebe und Organe des Körpers zu transportieren und dort wieder abzugeben. Menschen, die an einer Blutarmut (Anämie) leiden, haben zu wenige rote Blutzellen, um ihren Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Mit einem Blutbild kann eine Anämie nachgewiesen werden. Hierzu bestimmt man das Hämoglobin, also die Menge des Blutfarbstoffs, in Gramm pro Deziliter Blut (g/dl). Dieser Wert sollte zwischen 12 und 16 liegen, bei Frauen etwas niedriger als bei Männern.
Leukozyten
Die weißen Blutzellen, die Leukozyten, sind ein Teil des Immunsystems. In einem gesunden Körper gibt es davon ca. 4.300 – 10.000 pro Mikroliter (µl) Blut. Man unterscheidet drei Haupttypen: die Granulozyten, die Monozyten und die Lymphozyten. Monozyten und Granulozyten »fressen« Bakterien und machen sie dadurch unschädlich. Die so genannte unspezifische Immunantwort ist bei einem Mangel dieser Zellen beeinträchtigt.
Thrombozyten
Die Blutplättchen oder auch Thrombozyten sind wichtig für die erste Phase der Gerinnung des Blutes nach Verletzungen. Sie stoppen eine Blutung, indem sie miteinander »verkleben« und so die Wunde mit einem Pfropf (Thrombus) verschließen. Dazu tragen auch bestimmte Eiweiße im Blut (sog. Gerinnungsfaktoren) bei. 150.000 bis 300.000 Blutplättchen pro Mikroliter (µl) Blut sind der Normalfall. Weniger als 20.000 / µl stellen einen wichtigen Grenzwert dar. Wird dieser unterschritten, liegt ein schwerer Mangel an Blutplättchen vor (Thrombozytopenie), der zu bedrohlichen Blutungen führen kann.
Die Blutbildung
– ein dynamisches Gleichgewicht
Blutzellen haben nur eine beschränkte Lebensdauer. Sie müssen ständig neu gebildet werden, damit immer genügend funktionsfähige Zellen vorhanden sind. Sie alle entstehen aus Stamm-
zellen, die sich im Knochenmark befinden. Beim Embryo erfolgt die Blutbildung hauptsächlich in Milz und Leber, beim Erwachsenen verlagert sie sich ins Knochenmark. Stammzellen sind besondere, noch nicht ausdifferenzierte Zellen. Sie können sich entweder zu unterschiedlichen Zelltypen entwickeln oder sich durch Zellteilung vermehren.
Das Knochenmark speichert davon einen Vorrat. So verfügt es jederzeit über genügend Ausgangsmaterial, um daraus die unterschiedlichen Zellen des Blutes zu produzieren. Die Bildung des Blutes wird genau geregelt. Ein reibungsloser Stoffwechsel funktioniert nur, wenn zu jedem Zeitpunkt die richtige Anzahl eines jeden Zelltyps im Blut vorhanden ist. Die Steuerung der Blutbildung erfolgt durch Wachstumsfaktoren. Im Falle der Erythrozyten zählt dazu beispielsweise das Erythropoetin, im Falle der Leukozyten der granulozytenkolonien-stimulierende Faktor (G-CSF). Nach ihrer Differenzierung im Knochenmark werden die neugebildeten Blutzellen in das Blut ausgeschwemmt. Alte, funktionsuntüchtig gewordene Blutzellen werden in Leber und Milz abgebaut.
Die wichtigsten Laborwerte
Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Laborwerte im Überblick, die Patienten mit myelodysplastischen Syndromen kennen sollten:
rote Blutzellen (Erythrozyten)
Erythrozytenanzahl
| Männer: | 4,5 – 6,3 Millionen / Mikroliter (µl) |
| Frauen: | 4,2 – 5,5 Millionen / Mikroliter (µl) |
Hämoglobin (Hb)
| Männer: | 13 – 18 Gramm / Deziliter (g / dl) |
| Frauen: | 11 – 16 Gramm / Deziliter (g / dl) |
| Schwangere: | 11 Gramm / Deziliter (g / dl) |
| Kinder (6 M. – 6 J.): | 11 Gramm / Deziliter (g / dl) |
| Kinder (6 –14 J.): | 12 Gramm / Deziliter (g / dl) |
weiße Blutzellen (Leukozyten)
Leukozytenanzahl
4.300 – 10.000 / Mikroliter (µl)
Leukozyten im Differenzialblutbild
| neutrophile Granulozyten: | 55 – 65 Prozent |
| eosinophile Granulozyten: | bis 5 Prozent |
| basophile Granulozyten: | bis 1 Prozent |
| Lymphozyten: | 20 – 30 Prozent |
| Monozyten: | 2 – 6 Prozent |
Blutplättchen (Thrombozyten)
Thrombozytenanzahl
150.0 – 300.000 / µl
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